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Ein DDR-Zeitzeuge berichtet über seine Jugend

Da wir momentan im Fach Geschichte/ Gemeinschaftskunde den Kalten Krieg und die Wiedervereinigung behandeln, haben unsere Lehrer einen Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR eingeladen.

Mike Michelus erzählte seine äußerst interessante Lebensgeschichte, von seinem Aufwachsen bis hin zu einem Gefängnisaufenthalt in der DDR. Mike Michelus wurde 1966 in Ost-Berlin geboren und wuchs dort auch auf. Seine Eltern waren bis zu ihrer Scheidung acht Jahre lang verheiratet. Da seine Mutter nun alleinerziehend war, wurde die Erziehung in seiner Kindheit und Jugend, einer Zeit der Persönlichkeitsfindung, weitgehend durch seine kommunistischen Lehrer übernommen, die schon früh versuchten, Einfluss und Druck auszuüben.

Besonders erschreckend finde ich als Schüler der heutigen Zeit den damaligen Unterricht in der DDR. Dort wurde zum Beispiel im Sportunterricht mit 700-800 Gramm schweren Handgranaten das Werfen geübt, statt wie bei uns mit normalen 200 g schweren Sandbällchen. Damals gehörte es auch zum Programm, zu lernen, wie man sich auf einem Seil, das über einen Fluss gespannt war, hangelt. Als Höhepunkt musste man während des Festhaltens am Seil noch mit einer Kalaschnikow üben zu feuern. Etwas für uns Unvorstellbares.

Des Weiteren erfuhren wir, wie damals die Rekrutierungen für die Armee abliefen. Auf ihn wurde so lange eingeredet, bis er der Rekrutierung zustimmte. Eigentlich eine ziemlich manipulative und illegale Art und Weise, jemanden zu rekrutieren, aber für damalige Verhältnisse ganz normal und alltäglich. Somit wurde also Herr Michelus „überredet“, eine Unteroffiziersausbildung zu absolvieren und verpflichtete sich somit mit sechzehn Jahren zu drei Jahren Wehrdienst.

Nach einem Jahr Wehrpflicht wollte er nicht mehr und konnte von der Armee auf ein Gymnasium wechseln. Auf dem Gymnasium übernahmen die Lehrer erneut die Position der kommunistischen Erzieher, wobei manche Zitate oder Bücher von der kommunistischen Regierung und den Lehrern nicht gern gehört oder gesehen wurden. Ein Theaterstück von Herr Michelus Klasse wurde von der Schule verboten.

Herr Michelus erster „Fehltritt“ auf dem Gymnasium war es, an die Tafel zu schreiben, ob ihn jemand zur Blues-Messe begleiten wolle, da sich die Klasse kurz nach Schuljahresbeginn untereinander noch nicht kannte und sich so die Möglichkeit bot, sich besser kennenzulernen. Auf den ersten Blick etwas Legitimes, sofern man nicht wusste, was eine Blues-Messe war. Als der Lehrer das Klassenzimmer betrat, wischte er die Frage an der Tafel weg und erkundigte sich, wer das geschrieben hatte, was zu einem Nachspiel für Herrn Michelus führte.

Während der gymnasialen Zeit kam Herr Michelus der Punkkultur immer näher. So lernte er auch seine drei besten Freunde, Uli, Bernd und Panny, kennen, die für ihn eine wichtige Rolle spielten. Mit Jenny beschloss er eine Aktion, um das kommunistische Regime zu provozieren. Sie setzten sich auf dem Alexanderplatz auf den Boden und lasen die kommunistische Zeitung „Neues Deutschland“, eigentlich etwas Unverfängliches. Es sammelten sich immer mehr Menschen um sie herum, woraufhin zwei Polizisten Herr Michelus und Jenny verhafteten. Er wurde zu einem Jahr und drei Monaten, sie zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.

Da ein Unbekannter an seinem Geburtstag einen Ausreiseantrag für ihn gestellt hatte, wurde er am 16.07.1986 durch einen Freikauf in die BRD entlassen. Auch Jenny ereilte das gleiche Schicksal im Gefängnis. Beide setzten in West-Berlin ihre Provokationen fort.

Das war ein sehr interessanter Vortrag für uns Schüler und auch für die Lehrer.

Ich bedanke mich bei Herrn Michelus und bei unseren Lehrern für diese Veranstaltung.

Artikel von Anas El Aissati, TGIJ2

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